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23.4.2009 18:04

Die Frage nach der Bauweise


Wer ein riesiges Anwesen mit reichlich Platz zur Verfügung hat oder eine bezaubernde Alleinlage an einem Berghang, kann getrost über die Frage nach der Bauweise hinweglesen.

Den Großteil der Bauherren wird es jedoch sehr interes- sieren, wie man die lang ersehnte Privatheit und Lebensqualität schafft. Eine wichtige Frage, die im Planungsstadium beantwortet werden muss, ist die Positionierung des Hauses auf dem Grundstück. Das lange Zeit heiß begehrte "frei stehende Haus", um das der Hausherr stolz drum herum- gehen kann, ist nicht länger das Liebkind der Bauherren und Planer. Es hat sich nämlich herausgestellt, dass das mit drei Metern Abstand zum nächsten Grundstück "frei stehende" Haus viel mehr Nachteile als Grund zur Freude bietet.

Schutzlos ausgeliefert
Die in einigen Bundesländern längere Zeit bevorzugte Siedlungs- bebauungsform bietet wenig Sichtschutz zum Nachbarn und von der Straßenseite. Der Wind pfeift ungehindert durch die Siedlungen, ebenso leichtes Spiel haben Staub und Lärm. Das „frei stehende“ Haus bringt nicht immer nur Segen: Lärm, Wind und Straßenstaub können ungehindert um das Haus wirbeln. Die dafür nötigen Hecken oder Mauern beengen den Lebensraum und spenden mehr Schatten, als einem im Allgemeinen lieb ist. Und noch ein Punkt: Ein allein stehendes Haus verursacht mehr Kosten als eine gekoppelte Bauweise.

Schulter an Schulter
Zum Glück gibt es einen Ausweg aus dem Dilemma - die Rückbesinnung auf alte Werte. Der Wiener Planer Martin Ertl, erklärt den neuen, "alten" Ansatz zum lebenswerten Bauen: "Die beste Lösung ist die Rück- kehr zur geschlossenen Bauweise. In den früher üblichen Angerdörfern hatte jedes Haus vorne raus Zugang zu gemeinsamen Bereichen wie einem Marktplatz oder Brunnen. Die Höfe waren mit Ausnahme einer großen Einfahrt zu diesem Platz hin geschlossen und lagen Wand an Wand. Das Gebäude, die Durchfahrt und die Garage erstreckten sich über die gesamte Grundstücksbreite und entlang zumindest einer Grundstücks- seite. Dadurch ergab sich nach hinten hinaus eine gemütliche Hof- situation, die sehr viel mehr Intimität im eigenen Garten bietet, als bei einem frei stehenden Einfamilienhaus jemals möglich wäre. Der Lebens- bereich ist vor Lärm, Staub, Wind und unerwünschten Blicken geschützt. Sehen Sie sich solche Häuser an - Sie werden überrascht sein, welch ein angenehmes Wohngefühl diese Bauweise selbst bei kleineren Grundstücken produziert."

Fragen Sie bei der Gemeinde nach
Auch die Umwelt- und Bauberatungen einiger Bundesländer plädieren bereits wieder verstärkt für eine solche Bauweise, denn der Heizbedarf wird reduziert, die Kanal- und Anschlussgebühren sinken. Leider haben sich die Vorteile noch nicht bis in alle Gemeinden herumgesprochen. Fragen Sie sicherheitshalber nach, ob Ihre Gemeinde bereits solche Überlegungen in die Bebauungspläne für neu erschlossene Grundstücke mit einbezieht.
Die Situation verbessert sich schon dann, wenn man zumindest ein Neben- gebäude oder eine Garage neben das Haupthaus stellen kann. Wenn Sie durch eine solche Bebauung die Rechte Ihrer Nachbarn - zum Beispiel auf ausreichend Lichteinfall - nicht beschneiden, wenden Sie sich an Ihre Landesregierung oder die Umweltberatung: Diese kann nämlich in der Regel den Bürgermeister überstimmen und Ihre Wunschbauweise genehmigen, wenn es ökologisch sinnvoll erscheint.


Quelle: red./sbausparkasse

23.4.2009 18:04
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