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23.4.2009 19:57

Energiesparen: TV, Computer & Co

- Geräte ziehen auch in Warteposition Strom
- Ein ganzes Kraftwerk nur für Stand-by-Strom
- Sparen ohne Komfortverlust

In vielen Fällen verschwendete Energie
Haben Sie sich auch schon einmal über einen Autofahrer geärgert, der den Motor im Stand minutenlang laufen lässt? Doch Hand aufs Herz – gibt es nicht viele Alltagssituationen, in denen auch Sie Energie verschwenden? Möglicherweise ist es Ihnen gar nicht bewusst, wie viel Strom vergeudet wird, wenn Sie mit dem Com­puter auch gleich den Drucker starten. Der Drucker ist dann die ganze Zeit über in Betrieb, viele Stunden, manchmal auch den ganzen Tag, doch gebraucht wird er, wenn überhaupt, nur kurz. ­ So kann ein Drucker im Leerlauf übers Jahr gerechnet mehr als 100 kWh verbrauchen, während er im Betrieb (rund 20 Seiten pro Tag) nur 5 kWh benötigt.

In Summe großes Sparpotenzial
Sicher ist das Einsparpotenzial, das bei Druckern, Computern oder TV-Geräten erreichbar ist, deutlich geringer als jenes, das beim Heizen oder bei Haushaltsgeräten möglich ist (mit diesen Themen haben wir uns in den vorangegangenen Beiträgen zum Energiesparen beschäftigt – siehe „Energiesparen“ 11/2008 und 12/2008). Ein heiße Luft erzeugender Föhn frisst in fünf Minuten mehr Strom als ein Drucker an einem ganzen Tag. Der entscheidende Unterschied: Im ersten Fall wird die Energie sinnvoll genutzt, im anderen Fall vergeudet.

Berechnungen der Regulierungsbehörde E-Control
Die Belastung mag für den Einzelnen gering sein, doch in Summe, fasst man alle Haushalte und Büros zusammen, verpulvern unnötig laufende Drucker oder andere Geräte aus den Bereichen Infor mation, Telekommunikation und Unterhaltung eine ganze Menge Strom. Die österreichische Regulierungsbehörde E-Control hat errechnet, dass nur für die Erzeugung des Stroms, der für den Stand-by-Betrieb benötigt wird, ein Kraftwerk mit einer Leis tung von 150 Megawatt (MW) erforderlich ist – fast so viel, wie das Donaukraftwerk Freudenau schafft (172 MW).

Strom für ganz Dänemark
Laut einer Verordnung der EU, die zu Beginn 2009 in Kraft trat, muss der Stand-by-Verbrauch bis 2010 unter 1 Watt betragen, bis 2013 unter 0,5 Watt. Das käme einer Einsparung von 75 Prozent gleich. Damit könnte EU-weit pro Jahr so viel Strom eingespart werden wie im ganzen Staat Dänemark verbraucht wird. Viele Computer oder TV-Geräte schaffen diese Werte heute schon, doch werden noch jahrelang Geräte im Betrieb bleiben, die auf wesentlich mehr kommen. So sind TV-Geräte oder ­Tintenstrahldrucker mit einer Stand-by-Leistungsaufnahme von 5 Watt keine Seltenheit, bei Laser druckern können es auch 20 Watt sein.

Über 100 Euro unnötige Stromkosten jährlich
Es lohnt sich, auf die Dauerbereitschaft elektronischer Geräte schon jetzt zu ver zichten und nicht darauf zu warten, dass neue, effizientere Modelle auf den Markt kommen. Auch im Haushalt ergeben die Stromkosten für unnötig laufende Geräte ein schönes Sümmchen. Der Stand-by-Anteil am gesamten Stromverbrauch wurde in einer IEA-Studie im Jahr 2001 für Österreich (ähnlich wie für Deutschland) auf 2,5 Prozent geschätzt. Zum gleichen Zeitpunkt schaffte es Norwegen (bei einem höheren Lebensstandard) auf 0,6 Prozent. Die deutsche Initiative ­Energieeffizienz hat errechnet, dass unnötiger Bereitschafts betrieb für einen durchschnittlichen deutschen Haushalt für Stromkosten von 103,65 Euro verantwortlich zeichnet (Strompreis 20 Cent/kWh), wenn man die durchschnittliche Leerlaufzeit von TV-Gerät, DVD- Recorder, Stereoanlage, PC mit Monitor und Drucker, Telefon, Anrufbeantworter und ähnlichen Geräten zusammenzählt.

Auf Stand-by verzichten
Diese Kosten können wohl nicht zur Gänze vermieden, aber gewiss stark reduziert werden – ohne echten Komfortverlust. So kann man das TV-Gerät ohne Weiteres ausschalten, wenn man vom Fernsehen genug hat. Auch die ständige Einsatz bereitschaft von Altgeräten (wie Videorecorder oder Cassettenrecorder), die (wenn überhaupt) nur noch selten in Anspruch genommen werden, ist zu hinterfragen. Den PC samt Monitor und Drucker können Sie nach Gebrauch getrost abschalten. Am einfachsten geht dies mit einer ein- und ausschalt baren Stecker leiste, bei der alle angesteckten ­Geräte mit einem Tastendruck vom Netz genommen werden können. Noch komfortabler ist eine fernbedienbare Steck dose, mit deren Hilfe Sie beispielsweise das TV-Gerät einschalten können, ohne von der bequemen Couch aufstehen müssen.

Puffertechnik bei neueren Geräten
Schwieriger ist es beispielsweise bei DVB-T-Boxen, denn die brauchen sehr lange, bis sie nach dem Ausschalten wieder betriebsbereit sind. Nicht empfehlenswert ist das Ausschalten von DVD-Recordern, wenn Einstellungen (Uhrzeit, Ländercode, Aufnahmeprogrammierung) verloren gehen können. Doch auch hier sind Verbesse rungen in Sicht: Bei einigen neueren Geräten bleiben diese Informationen über eine Puffertechnik (Stützakku) erhalten. Erkundigen Sie sich im Handel oder beim Hersteller, ob Ihr Gerät dies kann, oder probieren Sie es einmal aus – es lohnt sich.

Nur scheinbar ausgeschaltet
Besonders tückisch sind Geräte, die auch in ausgeschaltetem Zustand weiter Strom verbrauchen. Dieses Schein-Aus findet sich bei Niederspannungslampen und vielen Hi-Fi-Anlagen, deren elektronische Bau teile mit Niedrigspannung (bis 12 V) arbeiten. Ein eingebauter Umspanner (Trafo) wandelt die Netzspannung von 230 Volt in die jeweilige Niederspannung um. Bei etlichen dieser Geräte mit eingebauten Trafos be findet sich nun der Hauptschalter nicht zwischen 230-Volt-Stromnetz und Trafo, sondern auf der Niederspannungsseite hinter dem Trafo. Das kommt für den Hersteller billig, für den Gerätebesitzer aber teuer, weil der Trafo die ganze Zeit im wahrsten Sinne des Wortes durchheizt.

Stromräubern auf der Spur
Entdecken können Sie solche Stromräuber auf folgende Weise: Halten Sie Ihre Hand auf das Gerät oder auf das Netzteil an der Steckdose. Wenn es warm ist, so wissen Sie, dass Energie fließt (Wärmeenergie). Andere Geräte geben ein brummendes Geräusch von sich – ein ebenso sicherer Hinweis. Abhilfe schafft auch in diesen Fällen eine schaltbare Steckerleiste oder eine fernbediente Steckdose.

Auch Ladegeräte verbrauchen ständig Strom, solange sie angesteckt sind. Daher sollten Sie das Ladegerät immer vom Netz trennen, wenn das Handy aufgeladen ist. Dasselbe gilt übrigens auch für die elekt rische Zahnbürste, die griffbereit in der Ladehalterung steckt: Das macht bis zu fünf Euro pro Jahr im Stand-by-Betrieb – pro Gerät.

Sparen im Betrieb
Der Stromverbrauch im Betrieb ist natür lich ungleich größer als im Stand-by- Modus oder in Aus-Stellung. Da lässt sich sicher einiges einsparen, wenn man bewusster fernsieht anstatt sich berieseln zu lassen oder den PC nur dann einschaltet, wenn man ihn verwendet, und ihn nicht den ganzen Tag laufen lässt.

Ein PC (ohne Monitor und Drucker) kann 300 Watt und mehr pro Stunde verbrauchen. Wenn er täglich einige Stunden läuft, summiert sich das in einem Jahr leicht auf über 100 Euro. Deshalb sollte man die „Energiesparfunktion“ nutzen: Sie schaltet Systemkomponenten ab, wenn sie einige Zeit nicht benötigt wurden. Diese Funktion ist oft schon werkseitig aktiviert. Sie können das aber überprüfen und gegebenenfalls anpassen: Bei Windows xp über Start > Systemsteuerung > Leistung und Wartung > Energieoptionen. Nutzen Sie auch den „Ruhezustand“ – eine Alternative zum Ausschalten für Arbeitspausen, der Rechner ist dann schnell wieder einsatzfähig. Keinesfalls sollten Sie einen Bildschirmschoner verwenden. Ein Einbrennen des Bildes ist heute praktisch ausgeschlossen. Und bei aufwendigen 3D-Animationen verbraucht der Rechner dafür mehr Strom als bei typischen Office-Anwendungen.

Stromverbrauch als Kaufkriterium
Wenn Sie vor einem Neukauf stehen, sollte der Stromverbrauch ein wichtiges Krite rium sein. Denn die Unterschiede sind beträchtlich. Bei Geräten, die selten genutzt werden, aber häufig im Bereitschaftszustand stehen, sollte besonderes Augenmerk auf den Stand-by-Verbrauch gerichtet werden; typisches Beispiel: der Drucker. Bei Geräten, die man bei Nichtbedarf getrost ausschalten kann (TV-Gerät), steht hingegen der Verbrauch im Betrieb im ­Vordergrund.

Neue Modelle oft sparsamer als alte
So verbraucht ein Flachbildschirm für den PC bis zu 75 Prozent weniger Strom als ein Röhrenmonitor. Anders verhält es sich bei TV-Geräten. Da kommt ein Röhren gerät mit rund 100 Watt aus, während LCD-Bildschirme bis zu 200 Watt benötigen, bei Plasma-Schirmen ist selbst bei 400 Watt noch nicht Schluss.

Wenn es um die Anschaffung eines PC geht, so gilt es zu überlegen, für welche Zwecke man ihn einsetzen will. Office-Anwen dungen oder das Surfen im Internet beanspruchen wenig Strom, eine gute Grafik karte benötigt hingegen allein 200 Watt. Computerspiele, Video- und Musikanwendungen sind durchwegs Stromfresser. Ein energieeffizienter PC mit durchschnittlichen Komponenten kommt mit 75 Watt aus, ein High-End-PC mit besonders leistungs fähigen Komponenten benötigt hingegen durchaus auch 300 Watt.

Quelle: red./vki

23.4.2009 19:57
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